KOSTEN-SCHOCK IN TüRKEI: ENORME INFLATION VERTEUERT URLAUB

Die Türkei ist seit Jahren eines der beliebtesten Urlaubsländer – nicht nur bei den Deutschen. Allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres besuchten 17,8 Millionen ausländische Urlauber das Land. Das war ein Anstieg von 14 Prozent gegenüber 2023. Dabei kamen die meisten Gäste aus Deutschland: 1,85 Millionen waren es insgesamt. Wenn es weiter so gut läuft, könnte die Türkei in diesem Jahr mit 60 Millionen Urlaubern einen neuen Reise-Rekord aufstellen.

Aber in der türkischen Tourismusbranche wachsen die Sorgen. Die horrende Inflation treibt die Kosten der Hotels und zehrt an den Erträgen. Im Juni betrug die Teuerungsrate im Jahresvergleich 71,6 Prozent. Die All-inclusive-Pakete der deutschen Reiseveranstalter haben sich zwar gegenüber dem Vorjahr nur um etwa fünf bis zehn Prozent verteuert. Aber beim Restaurantbesuch außerhalb des Hotels, in der Beach Bar und beim Einkauf spüren auch Pauschaltouristen die massive Teuerung.

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Deutsche Urlauber profitieren allerdings vom starken Euro. Im Vergleich zum Juli 2023 hat die türkische Währung deutlich abgewertet. Für zehn Euro bekamen ausländische Urlauber damals 286 Lira. Heute sind es 356. Die Kaufkraft des Euro ist also gegenüber dem Vorjahr um rund 25 Prozent gewachsen. Das mildert die Inflation aus Sicht deutscher Urlauber zwar etwas ab, gleicht sie aber nicht annähernd aus. Zumal es Zweifel an den offiziellen Inflationszahlen gibt. Die unabhängige Forschungsgruppe Enag bezifferte die Inflation im Juni auf 113 Prozent.

Experte: Preise sind kein Wettbewerbsvorteil mehr

Früher punktete die Türkei vor allem mit einem günstigen Preis-Leistungsverhältnis. Aber der Preisvorteil wird von der Inflation immer weiter aufgefressen. „Die Hotelpreise in der Türkei sind in den Sommerferien häufig höher als in Spanien“, sagte Stefan Baumert, Deutschland-Chef des Reisekonzerns TUI, dem „Handelsblatt“. Nach Berechnungen des Vergleichsportals „Swodoo“ kostet eine einwöchige Pauschalreise in die Türkei durchschnittlich 400 Euro.

Vergleichbare Reisen nach Tunesien bekommt man bereits für weniger als 300 Euro. „Unser großer Wettbewerbsvorteil waren früher die günstigen Preise“, sagte Kivanc Meric vom türkischen Reisebüroverband Türsab dem Nachrichtenportal Habertürk. „In den vergangenen zwei, drei Jahren haben wir diesen Preisvorteil verloren“, so Meric. „Urlaubsländer wie Ägypten, Tunesien, Marokko und sogar Griechenland machen uns immer mehr Konkurrenz.“

Allerdings können Individualreisende in der Türkei immer noch Schnäppchen machen. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes liegen die Lebenshaltungskosten gemessen an den Kaufkraftparitäten in der Türkei nur bei 44 Prozent des Niveaus in Deutschland. Es lebt sich dort also rund 60 Prozent preisgünstiger als hierzulande. Wer in starken Euro statt in schwindsüchtigen Lira zahlt, kann bei der Miete für das Ferienhaus oder bei größeren Einkäufen meist einen günstigeren Preis aushandeln.

Für türkische Urlauber ist Griechenland oft günstiger

Für viele Einheimische sind Ferien im eigenen Land allerdings längst unerschwinglich geworden. Der monatliche Mindestnettolohn, mit dem 45 Prozent aller Beschäftigten auskommen müssen, beträgt 17.000 Lira. Umgerechnet sind das 477 Euro. Aber auch wohlhabenden Familien ist in vielen Fällen der Türkei-Urlaub zu teuer geworden. In Bodrum ist die Zahl der türkischen Touristen in den ersten sechs Monaten um 20 Prozent zurückgegangen. „In einigen Fällen sind Pauschalreisen nach Dubai und nach Südostasien preiswerter als ähnliche Angebote in der Türkei“, berichtet Mete Vardar, Chef des Reiseveranstalters Jolly Tours.

Selbst das als teuer geltende Nachbarland Griechenland wird jetzt für viele türkische Familien ein erschwingliches und begehrtes Urlaubsziel: Seit dem 1. April können türkische Besucher auf zehn griechischen Ägäisinseln ein Express-Visum für sieben Tage bekommen. Die Folge: Die Zahl der türkischen Urlauber ist gegenüber dem Vorjahr um 165 Prozent gestiegen.

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